Mit dem Jeep durch das isländische Hochland
Island ist ein Land der Extreme. Erdgeschichtlich jung an Jahren bietet es dem Reisenden die größten Gletscher Europas, aktive Vulkane, heiße Quellen, mächtige Wasserfälle und Geysire (Info: Ein Geysir bricht aus). Das Klima ist rau auf dieser Insel im Nordatlantik, und nur ein ebenso rauer Menschenschlag wie die Wikinger konnte sie ab dem 9. Jahrhundert erfolgreich besiedeln. So wagemutig war dieses Seefahrervolk, das es bereits 500 Jahre vor Kolumbus seinen Fuß auf den nordamerikanischen Kontinent setzte.
Das ideale Transportmittel ist ein Allrad, und so machen wir uns in einem alten Landrover auf den Weg durch das Hochland. Wir campieren bei Thingvellir, wo die Wikinger im Jahr 930 die Republik ausriefen. An den ewigen Wind, der an unseren Bergzelten rüttelt, müssen wir uns erst gewöhnen. Vorbei am Geysir Strokkur und dem berühmten Wasserfall Gullfoss geht es dann auf der Kjalvegur hinein in das Hochland. Die Strasse gleicht einer Wellblechpiste und es bedarf einiger Kilometer, bis wir den Bogen für halbwegs erschütterungsfreies Fahren heraus haben. Links und rechts tauchen die riesigen Gletscher Langjökull und Hofsjökull auf und die Temperatur sinkt spürbar. In den heißen Quellen von Hveravellir wärmen wir uns auf. Als wir am nächsten Morgen aus den Zelten krabbeln, liegt eine weiße Schneeschicht auf den Planen. Im Norden stoßen wir wieder auf die Ringstraße Nr. 1. Das Bauerngehöft Glaumbaer gibt Einblick in die Lebensweise der Isländer im Mittelalter. Die Luft riecht modrig in den Gebäuden aus Grassoden. Das ganze Jahr über liegt die Temperatur hier drinnen bei etwa 10° C, Feuer gab es nur in der Küche. Auf der Ringstrasse erreichen wir Akureyri, die zweitgrößte Stadt Islands. Während wir uns im heißen Wasser des Freibades räkeln, läuft draußen der Bademeister mit Mütze und Handschuhen herum.
Nach einem anstrengenden Abstecher zum Dettifoss Richtung Norden, fahren wir anschließend wieder südwärts in das Hochland zum erloschenen Tafelvulkan Herdubreid. Flüsse werden gefurtet, schwarze Wüsten aus vulkanischer Asche gequert, schweißtreibend ist stundenlanges Fahren über holprige Lavafelder. Mit Lennart erklettere ich den 1682 m hohen Berg bis an seine felsige Haube im Gipfelbereich. Einige Kilometer südwestlich liegt der Vulkan Askja. In seinem riesigen Krater liegt der Öskjuvatn, mit 217 m der tiefste See Islands, und direkt daneben der Explosionskrater Viti, in dessen 20 ° C warmen Schwefelwasser wir nach Tagen wieder ein Bad nehmen.
Kaum zu glauben: Auf keiner Tour haben wir soviel gebadet wie in Island. Selbst in kleinsten Örtchen gibt es oft ein Schwimmbad mit warmem Wasser, dazu noch die vielen heißen Quellen mitten in der Wildnis. Was das Wetter betrifft, haben die Isländer ein schönes Sprichwort: Wenn dir das Wetter nicht gefällt, dann warte fünf Minuten! Und so haben wir vom Schneesturm bis zu Sonnentagen mit über 20° C auch alles erlebt.
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