Noatak - Informationen
Es existiert wenig Literatur über den Noatak River. Die Ausführungen z.B. in "The Alaska River Guide" von Karen Jettmar beschränken sich auf 3 1/2 Seiten. Den Riverlog habe ich mir vorher von der Nationalparkbehörde zuschicken lassen. Das Buch "Alaska-Fieber" gibt eine schöne Einstimmung auf das große Land, mit Erlebnissen, die teilweise in der Brooks Range stattfanden.
Da die Dimensionen riesig sind und wir zwangsläufig auch im Land große Entfernungen zurücklegen mussten, haben wir versucht, die Route so zusammenzustellen, dass wir möglichst viel von Alaska kennen lernen. Natürlich wäre es auch möglich gewesen, von Anchorage nach Fairbanks und von dort mit einer kleinen Maschine nach Bettles zu fliegen. Der Unterschied: Es ist teurer und man erlebt weniger!
Voraussetzungen: Die Touren auf dem Koyukuk River (Taiga) und dem Noatak River (Tundra) führen durch subpolare bzw. polare Wildnis. Gute körperliche Konstitution, Erfahrungen im Paddeln, in der Einschätzung des Wetters, in der Auswahl der geeigneten Ausrüstung und im Verhalten in Notsituationen sind unabdingbare Voraussetzungen. Hilfe meist weit weg und nicht auf die Schnelle erreichbar.
Beste Zeit: Je weiter man nach Norden kommt, um so kürzer wird die Zeit des Jahres, in der die Flüsse eisfrei sind. An unserem nördlichsten Ziel, dem Noatak, etwa von Juni bis September. Für den Kanu-Abenteurer ist das eigentlich das einzige Kriterium. Ansonsten muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Wetter auch im Polarsommer von Frost, über Sturm und Regen bis hin zu fünfundzwanzig Grad Wärme an sonnigen, windstillen Tagen (haben wir einmal erlebt) alles zu bieten hat. Nach unseren Erfahrungen frischt der Wind meist in den späten Vormittagsstunden auf und hält dann bis zum Abend an (es kann natürlich auch mal anders kommen). Wir sind deshalb sehr zeitig am Morgen (ca. 6 Uhr) gestartet und bis zum frühen Nachmittag gepaddelt. Es gab auch Sturmtage, an denen gar nichts ging und wir alles (Zelt, Boote) mit allen Optionen verankern und anbinden mussten, damit nichts fortfliegt.
Ausrüstung: Die Kleidung muss warm, wind- und regendicht sein. Wintermütze und Handschuhe nicht vergessen. Bewährt haben sich hohe Gummistiefel. Sie sollten so groß sein, dass der Fuß mit zwei, drei paar Strümpfen und eine isolierende Einlegesohle hineinpassen. Eine bequeme Schwimmweste mit vielen Taschen wie die Nahanni-Weste von hf ersetzt auch an Land ein wärmendes Kleidungsstück. Moskitonetze und Mückenabwehrmittel nicht vergessen. Wir haben „Off!“ benutzt, das sich als Spray gut und schnell auftragen lässt. Äußerst wichtig ist das trockene Verpacken der Ausrüstung. Keine Trekkingrucksäcke verwenden! Das beste sind die wasserdichten Packsäcke von Ortlieb für Schlafsäcke, Kleidung, etc. Die großen Ausführungen haben stabile Schulterträger, so dass sie sich problemlos transportieren lassen. Für die Verpflegung Weithalstonnen aus Plastik. Wer nicht wie wir im geräumigen Feuerzelt reist, sondern mit dem Bergzelt unterwegs ist, sollte unbedingt eine Tarp mitnehmen, unter der man kochen kann. Ein Lagerfeuer davor macht den Aufenthalt darunter gemütlich und man hat die Chance, nasse Sachen zu trocknen. Vor Ort (z.B. Bettles) besteht die Möglichkeit, Kanus für sehr teures Geld zu mieten, da die Rückholung nur per Flugzeug möglich ist. Oder man leiht sich etwas preiswerter Schlauch-Kanadier, die man z.B. von Kotzebue mit der Post zurückschicken kann. Generell möchten wir davon abraten, den Noatak mit Schlauchbooten zu befahren. So ein Gefährt hat den Luftwiderstandswert einer Schrankwand und das Paddeln bei den dort vorherrschenden extremen Winden wird damit zur Quälerei. Aus unserer Sicht sind die verwendeten Faltkanadier von Ally das optimale Fortbewegungsmittel. Klein zusammenlegbar, leicht zu transportieren, hohe Ladekapazität, robust und erstaunlich gute Fahreigenschaften sind die Vorteile, die uns hier wirklich überzeugt haben. Von Noatak Village gibt es Flugverbindung nach Kotzebue (problemlos vor Ort zu organisieren). Eine andere Variante wäre ein privat gechartertes Motorboot (Preis: Verhandlungssache).
VerpflegungKompletter Proviant (incl. Reserve) muss mitgenommen werden. Günstigste Einkaufsmöglichkeiten in Fairbanks. Je weiter man dann nach Norden kommt, um so teurer wird es. Extrem hoch in Noatak Village. Fischen im Noatak nicht so günstig, aber in den Seitenbächen bzw. –flüssen, insbesondere in der zweiten Hälfte (Nimiuktuk River, Kelly River). Angellizensen in Fairbanks oder Bettles. Die Aufbewahrung des Proviants unter dem umgedrehten Boot empfehlen wir nicht! Wenn Meister Petz doch einmal vorbei kommt, wird er wohl neben der Verpflegung probehalber auch das Kanu anknabbern. Keine Abfälle hinterlassen! Was nicht rückstandsfrei verbrannt werden kann, muss wieder aus der Wildnis herausgebracht werden.
Übernachtung Auf der Anreise mit dem Fahrzeug auf staatlichen (meist sehr einfach) oder privaten Campgrounds. In der Wildnis hat man die freie Wahl. Vorzugsweise auf Sand- oder Kiesbänken am Flussufer. ACHTUNG! Da Regenwasser in dem Permafrostboden nicht versickert, sondern fast alles letztendlich in die Flüsse läuft, können diese bei starken oder lang anhaltenden Niederschlägen in kürzester Zeit drastisch steigen. Deshalb die Lagerplätze hoch genug wählen. Wegen der häufigen Stürme die Ausrüstung auch bei vermeintlich ruhigen Perioden immer sichern. D.h. Zeltheringe eingraben und Boote anbinden. Das Anlegen eines Lagerfeuers ist auch in der Tundra mit dem Schwemmholz der niedrigen Buschvegetation möglich, wenn auch das Sammeln etwas mühsam ist. Die Feuerstelle klein auf Sand oder Kies einrichten und beim Aufbruch Ausgangszustand wieder herstellen. Auf alle Fälle ist ein guter Kocher ein Muss, wobei Benzinkocher vorzuziehen sind, da Gaskartuschen in den Flugzeugen oft nicht transportiert werden dürfen.
Besonderheiten Eine Familientour mit minderjährigen Kindern in arktischer Wildnis wird sicherlich die Ausnahme bleiben. Zusätzlich zu den angesprochenen Voraussetzungen sollten unbedingt bereits Erfahrungen bei gemeinsamen Wildnisreisen vorliegen. Neben der Ausrüstung und Verpflegung sind insbesondere eine vernünftige Zeitplanung und die mentale Einstellung auf das Klima die Kriterien, welche über Spaß oder Stress bei allen Beteiligten entscheiden. Auf Grund der hohen Verantwortung haben solche Unternehmen Expeditionscharakter, allerdings nicht mit der Strichliste im minutiösen Tagesplan, sondern wohl durchdacht hinsichtlich der Länge einer Tagesetappe, der Reaktion auf Wetterwechsel, usw. Unser Team funktioniert draußen wie ein Uhrwerk. Da muss keiner kommandieren. Nach vielen gemeinsamen Touren weiß jeder, was er wann zu tun hat.
Inuit/EskimosDass ich die eingeborene Bevölkerung an der Westküste im Bericht als Eskimos bezeichne, ist nicht auf mangelndes Wissen bezüglich der indianischen Bedeutung dieses Wortes (= Rohfleischesser) zurückzuführen. Wir waren selbst erstaunt, als wir dort in unseren Gesprächen feststellten, dass sich die Leute selbst so bezeichnen.
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